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Das Unternehmen mit dem etwas anderen Klebstoff – zwischen Landwirtschaft und Innovation.

Etwa zwei Millionen Tonnen Kartoffeln und 130.000 Tonnen Erbsen verarbeitet die Firma Emsland-Stärke jährlich. Die Stärke wird nicht nur in Lebensmitteln verarbeitet, sondern auch in Textilien, Papier, in Glasnudeln, Smartphones, Tierfutter und Baustoffen. Zu Besuch in einem Forschungslabor des Unternehmens.


Fluffige Muffins, knusprige Pommes und cremige Soßen.

Kartoffeln und Erbsen sind die Grundstoffe, mit denen die Chemielaborantin Martina Herrmann experimentiert. Sie leitet in der Firma Emsland-Stärke innerhalb der Forschung und Entwicklung die anwendungstechnische Abteilung für Lebensmittel. Hier wird an neuen Rezepturen für vegane Burger, für Gummibärchen ohne Gelatine oder fettärmere Chips gearbeitet. Es werden Stärkemischungen entwickelt, mit denen man Muffins fluffiger, Pommes knuspriger und Soßen cremiger macht.  


Kartoffeln und Erbsen in Smartphones.

Im Westen Niedersachsens, in Emlichheim an der niederländischen Grenze liegt der Hauptsitz der Firma Emsland-Stärke. Während der Erntezeiten reihen sich am Anlieferungstor Trecker an Trecker. Etwa zwei Millionen Tonnen Kartoffeln und 130.000 Tonnen Erbsen verarbeitet das Unternehmen jährlich zu Stärkepulver, Flocken und Granulaten. Die landen bei weitem nicht nur in Kartoffelpüree und Glasnudeln, sondern auch in Textilien, Papier, Smartphones, Tierfutter, in Baustoffen und Tapetenkleister.

Emslandstärke. 

Um die drei gewaltigen Silos auf dem Firmengelände, in denen die Kartoffel- und Erbsenstärke gelagert wird, gruppieren sich die Fabrikanlagen und Forschungslabore. Das weltweit tätige Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber in der Region und deutschlandweit der größte Produzent von Kartoffelstärke. Etwa 600 Menschen arbeiten allein an diesem Standort. Fast 50 von ihnen sind in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung tätig. Der jährliche Umsatz der Firma liegt bei 580 Millionen Euro.

Enge Zusammenarbeit mit Landwirten – früher wie heute. 

„Aus Stärke kann man zum Beispiel wunderbaren Klebstoff herstellen. Mit unserer Stärke habe ich unser ganzes Haus tapeziert,“ sagt Herbert Zwartscholten. Er ist Logistikleiter für alle sieben Standorte des Unternehmens. Zwartscholten hat vor 33 Jahren seine Ausbildung als Industriekaufmann bei der Emsland-Stärke angefangen, später dann noch berufsbegleitende Betriebswirtschaft studiert. 1928 ist das Unternehmen aus der gegründeten Emlichheimer Kartoffelfabrik hervorgegangen. „Und wir arbeiten bis heute eng mit den Landwirten zusammen“, so Zwartscholten. Die Eigentümer der heutigen Aktiengesellschaft sind etwa 600 Landwirte.


Kartoffelstärke und Nachhaltigkeit.

„Weltweit ist die Kartoffelstärke nur ein Nischenprodukt“, erklärt Zwartscholten. Sehr viel verbreiteter seien Weizen- und Maisstärke. Weizenstärke hätte aber unter Umständen den Nachteil, dass sie Gluten enthalten und bei manchen Menschen Allergien hervorrufen könnten, so Herrmann. Maisstärke wird auch mit gentechnisch veränderten Organismen in Verbindung gebracht. „Zudem bindet nichts so gut Wasser wie Kartoffelstärke. Und die Kartoffelstärke hat einen neutralen Geschmack.“ Das Unternehmen arbeite auch schon seit einigen Jahren an der Entwicklung von biologisch abbaubaren Tüten und Beuteln.

„Nachhaltigkeit ist ein großes Thema bei uns“, sagt Patrick Geers, Marketingleiter der Emsland-Stärke. „Wir verarbeiten regionale Produkte. Die Äcker, von denen die Landwirte die Kartoffeln und Erbsen anliefern, liegen maximal 50 Kilometern im Umkreis vom jeweiligen Werk entfernt.“

Individuelle Lösungen.

In den Laboren stehen spezielle Maschinen, mit denen neue Rezepturen ausprobiert werden können, wie eine Stapelchipsanlage, ein Bandtrockner, eine Nasspanadenanlage, eine Trockenpanieranlage. „Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um speziell auf die Kundenwünsche zugeschnittene Lösungen zu finden“, erklärt Herrmann. „Wir haben das Knowhow von den Prozessen und den Rohstoffen.“ So könnten Firmen sich mit konkreten Anfragen an sie wenden. Wenn beispielsweise Chips ganz bestimmte Eigenschaften haben sollen. Oder wenn die Lebensmittelproduzenten Pommes mit weniger Fett oder weniger Salz herstellen möchten. „Hier an unseren Pilotmaschinen haben wir den Vorteil, auch in kleinen Mengen produzieren zu können, um erst einmal zu testen“, sagt Herrmann. 

Trends beobachten und einbeziehen.

Herrmanns Kollegin Stefanie Schomakers hebt inzwischen die Burger aus der Pfanne. Derzeit testen sie unterschiedliche vegane und vegetarische Rezepturen aus. Der Grundstoff, der bei den Burgern alles zusammenhält, ist die Erbse. Fleischlose Nahrung liegt im Trend, die Nachfrage auf dem Markt nach veganen und vegetarischen Produkten steigt. Schomakers schneidet einen der Burger vorsichtig in kleine Stücke und probiert eines davon. „Bei dem hinterlässt das Kokosöl einen angenehmen Schmelz im Mundgefühl“, sagt die Lebensmitteltechnologin. Für manche Produkte, in denen Produkte von Emsland-Stärke enthalten sind, stellt sie Basisrezepturen bereit.

Dann führt Herrmann noch eine Maschine vor, die Pommes mit einer transparenten Schicht umhüllt. „Das Pommes-Coating“, wie sie erklärt. „Damit gehören wir zu den Pionieren.“ Werden die Pommes in diese spezielle stärkehaltige Suspension eingetaucht und anschließend frittiert und eingefroren, so würden sie später besonders knusprig und länger warm bleiben, verspricht Herrmann. „Die Mischung ist ein riesiger Erfolg.“ Das Rezept ist jedoch natürlich ein Betriebsgeheimnis.


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