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Teil 1: Fortschritt durch Wissenschaft.

Den BIM-Potenzialen auf der Spur.

„Erfahrung macht den Meister“ – in der Digitalisierung greift das nicht immer. Die Themen sind neu und die Erfahrung kann erst nach und nach aufgebaut werden. Damit wir auch in der Bau- und Immobilienbranche noch mehr vom digitalen Fortschritt profitieren, müssen wir uns auch mal trauen, theoretisch zu werden.

Bislang ist die BIM-Methode in Deutschland oft leider nur als Insellösung im Einsatz. Dabei entfaltet sie erst dann ihre volle Wirkung, wenn sie im gesamten Prozess eines Immobilienprojektes konsistent zum Einsatz kommt. Damit die Beteiligten sich darauf einlassen, beschäftigen sich Wissenschaftler:innen aktuell in vielerlei Hinsicht mit dem Potenzial der Digitalisierung für die Wertschöpfungskette Bau und den daraus resultierenden Vorteilen. Forschungsprojekte sollen vorhandene Hürden aus dem Weg räumen, Lösungen aufzeigen und Fortschritt möglich machen. Unter den Forschenden sind unsere Kolleg:innen von intecplan und der LIST AG. In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen beschäftigt sich das Team damit, wie sich die Themen Kosteneffizienz und Gebäudeökobilanzierung bestmöglich mit BIM verknüpfen lassen. Das Potenzial ist groß, unsere Neugier ebenso. Deshalb haben wir die beiden Forschungsprojekte einmal etwas genauer unter die Lupe genommen.

1. Forschungsprojekt:

Kosteneffizienz meets BIM.

Der aktuelle Stand.

Immer wieder hören wir von Projekten wie Stuttgart 21, bei denen es im Bauverlauf zu horrenden Kostensteigerungen kommt. Warum? Oft sind bei solch großen Vorhaben so viele verschiedene Unternehmen involviert, dass Prozesse und Abhängigkeiten der Partner intransparent werden. Noch dazu nutzen alle Beteiligten unterschiedliche Tools, um ihre Kostenplanung zu erstellen. Was bisher fehlt, ist ein standardisierter Prozess, der auch die Kostenplanung abdeckt. Außerdem gibt es zwar viele Forschungsarbeiten zur Frage, warum BIM besser ist (Qualität), allerdings bisher nur wenige zur Frage, wie sehr sich diese Qualitätsunterschiede bemerkbar machen, etwa bei der Zeitersparnis (Quantität). In Deutschland gibt es demnach auch fast keine Forschungsarbeiten zum quantitativen Vorteil von BIM im Kostenmanagement. Und genau hier setzen wir an. Wir glauben, dass mit BIM 
ein durchgängig transparentes Kostenmanagement möglich ist. Und dieses Potenzial wird bisher nicht genutzt. Also haben sich die Kolleg:innen von intecplan initial auf eine Förderung beworben, um genau dieses Problem zu erforschen.

Die Vision.

Es sollen die Effizienz- und Effektivitätsvorteile für die mittelständisch geprägte deutsche Bauwirtschaft herausgearbeitet werden. Bauvorhaben, bei denen die Kosten aus dem Ruder laufen, können und müssen vermieden werden. Aber es geht um mehr: Die Kolleg:innen verfolgen mit diesem Projekt übergeordnet ebenso das Ziel, die Akzeptanz der BIM-Methode und schließlich die Nutzung zu erhöhen. Denn am Ende des Tages können neue Prozesse und Methoden noch so visionär sein – zahlen sie sich wirtschaftlich langfristig nicht aus, haben sie es in der Praxis schwer. Ist aber einmal nachgewiesen, dass Projektteams mit der BIM-Methode sowohl effizienter als auch effektiver ihre Kosten managen können, dann ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für die ganzheitliche Implementierung der neuen Art der Zusammenarbeit erreicht. Dann gilt es, Prozesse zu transformieren, sodass ein durchgängiges Informationsmanagement sämtlicher relevanter Daten für Kostenplanung, Kostenverfolgung, Ausschreibung und Vergabe am BIM-Modell umgesetzt werden kann. Langfristiges Ziel muss es sein, einen praxistauglichen und softwareneutralen Weg zur Verbesserung des Kostenmanagements mittels der BIM-Methode zu finden und somit einen Beitrag zur weiteren Digitalisierung der Immobilienbranche zu leisten.

Das Forschungsvorhaben.

Es soll überprüft werden, ob und welche Effizienz- und Effektivitätsvorteile diese Vorgehensweise bringt. Die Forschenden werden ein Standardprozessmodell entwickeln und wollen damit nachweisen, dass sich das Kostenmanagement darin gebündelt mittels BIM abbilden lässt. Im Anschluss daran können sie dann konventionelles und BIM-basiertes Kostenmanagement vergleichen. Der Vergleich erfolgt durch leitfadenbasierte Zeitmessreihen. Proband:innen verschiedener Fachkompetenzen aus der Bauwirtschaft werden dabei anhand eines Musterprojektes verschiedene Aufgaben aus dem Bereich Kostenmanagement simulieren. So wird beispielsweise die Mengenermittlung für das Musterprojekt einmal komplett durchgespielt. Die so zu ermittelnden Zeitreihen werden verallgemeinert und können kennzahlenbasiert und unter Berücksichtigung von möglichen Abweichungen verglichen werden. Abschließend werden aus den Unterschieden zwischen modellbasierter und konventioneller Bearbeitung aussagekräftige Ergebnisse zur Effizienz und Effektivität abgeleitet – und diese werden, so viel können wir jetzt mitten im Forschungsvorhaben schon verraten, wahrscheinlich für die BIM-Methode sprechen.

Warum forschen wir überhaupt?

„Beim Forschen wechseln wir als Wirtschaftsunternehmen die Perspektive. Es geht nicht um Gewinn oder Image. Es geht uns um Wissen. Darum, uns und die Branche weiterzuentwickeln. Unser Team bekommt so eine weitere Möglichkeit, sich mit ganz anderen Themen zu beschäftigen, über den Tellerrand zu blicken und disruptiv zu denken. Auch das macht etwas mit uns, unserem Selbstverständnis und unserer Expertise. Deshalb haben wir keine eigenständige F&E-Abteilung, sondern sind alle an den Stellen beteiligt, an denen es Sinn macht.“  Sascha Bahlau  (BIM-Experte bei intecplan)

Allianz mit den relevanten Software-Anbietern.

Die Akzeptanz von Forschung wird erhöht, wenn sie möglichst praxisnah gestaltet ist. Deshalb berücksichtigt unser Forschungsteam mit RIB iTWO, NOVA AVA, AVANTI, NEVARIS, ORCA AVA, California.pro und BIM4You sämtliche fürs Kostenmanagement gängigen Softwares. Mit den Anbietern wurde eine Art Allianz eingegangen. Diese beinhaltet unter anderem, dass für den allgemein festgelegten Prozess für die Mengenermittlung ein eigener „Subprozess“ pro Software festgelegt wurde. So kann sichergestellt werden, dass die individuellen Eigenschaften und Workflows jeder Software auch bestmöglich berücksichtigt werden. Schließlich geht es darum, das komplette Potenzial aufzuzeigen. Zusätzlich wurden Interviews mit Praktiker:innen geführt, die ebenfalls für die Definition der Subprozesse genutzt wurden. Zu den Befragten zählten unter anderem die Kolleg:innen aus unseren Bau-Gesellschaften.

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Zum Forschungsprojekt.

Titel: BIM-Effizienz – innovatives Kostenmanagement auf Basis objektorientierter Bauwerksmodelle

Auftraggeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung des Bundesinnenministeriums 

Forschungsprogramm: Zukunft Bau

Kooperationspartner: Bergische Universität Wuppertal (BIM-Institut), Institut für angewandte Bauinformatik e. V. (iabi)

Dauer: Januar 2021–Juni 2022