Mehrere Mandate zeigen dasselbe Muster: Wer eine Kernsanierung schon für beschlossen hält, übersieht oft, wie viel eine Carbon Due Diligence mit gezielten Einzelmaßnahmen allein bewegt.
Anlass
In den vergangenen Mandaten zur Carbon Due Diligence fiel ein wiederkehrendes Muster auf: Bestandshalter beauftragen die Analyse oft in der Annahme, sie diene der Vorbereitung einer ohnehin gesetzten Kernsanierung. In mehreren Fällen zeigte die Auswertung stattdessen, dass gezielte Einzelmaßnahmen einen vergleichbaren Effekt auf den Stranding-Zeitpunkt erzielen, bei deutlich geringerem Aufwand und ohne Eingriff in den laufenden Betrieb.
Worum es im Kern geht
— Der größte Hebel liegt regelmäßig in der thermischen Gebäudehülle, vor der Anlagentechnik, das zeigt sich unabhängig vom Gebäudetyp.
— Der hydraulische Abgleich wird auffallend oft übersehen, obwohl er zu den wirtschaftlichsten Einzelmaßnahmen überhaupt zählt.
— Stranding-Verzögerungen von 10 Jahren und mehr sind über Einzelmaßnahmen allein erreichbar, ohne dass eine Kernsanierung erforderlich wäre.
— Eine reale Kostenindikation je Maßnahme verändert häufig die ursprüngliche Priorisierung des Bestandshalters.
Was das für Ihre Entscheidung konkret bedeutet
— Vor jeder Kernsanierungsentscheidung eine Carbon Due Diligence als Einzelmaßnahmen-Check beauftragen, nicht erst als Vorbereitung einer bereits gesetzten Entscheidung.
— Bauliche und anlagentechnische Maßnahmen getrennt bewerten lassen, um zu sehen, welche Kombination den Stranding-Zeitpunkt am wirtschaftlichsten verzögert.
— Den hydraulischen Abgleich explizit prüfen lassen, bevor größere Maßnahmen budgetiert werden.
Was sich über vergleichbare Mandate zeigt
Bei einem Bürokomplex in Hamburg senkten fünf bauliche und drei anlagentechnische Einzelmaßnahmen die Emissionen um bis zu 46 Prozent und verzögerten den Stranding-Zeitpunkt um 11 Jahre, ganz ohne Kernsanierung. Bei einem Mixed-Use-Bestand in Plochingen verschob die Kombination anlagentechnischer Maßnahmen allein den Stranding-Zeitpunkt von 2025 auf 2038. Bei einer Bürorevitalisierung in Darmstadt zählte der hydraulische Abgleich zu den identifizierten Einzelmaßnahmen, obwohl er ursprünglich nicht im Fokus der Betrachtung stand. Das Muster wiederholt sich unabhängig von Gebäudetyp und Baujahr.
Fragen, die dazu aufkommen
Nein, bei manchen Objekten ist sie tatsächlich der wirtschaftlichere Weg. Der Punkt ist, das vorher zu rechnen, statt es anzunehmen.
Je nach Umfang wenige Wochen, oft deutlich schneller als die Vorbereitung einer Kernsanierung, die sie möglicherweise erübrigt.
Das Muster selbst gilt unabhängig vom Baujahr, die konkrete Wirkung der Einzelmaßnahmen unterscheidet sich jedoch von Objekt zu Objekt und muss individuell geprüft werden.
Autorin
Julia Kern, Leitung Förderberatung