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Was bisher geschah. Ein Rückblick auf 118 Jahre LIST-Geschichte.

Andere Zeiten. Andere Herausforderungen. Andere Möglichkeiten. Andere Generationen. Andere Geschichten. 118 Jahre LIST.


1. Generation

Ende des 19. Jahrhunderts. Anfang 20. Jahrhundert. Kaiserreich. Kolonien. Hochindustrialisierung. Bergbau. Eisenbahnbau. Eisenindustrie. Textilindustrie. Handarbeit. Schweiß. Petroleum. Erste Dienstleistungen. Glühbirne. Strom. Veränderungen. Schicht- und Nachtarbeit. Charlie Chaplin. Titanic. Motorsport. Geschwindigkeitsrausch. Radio. Turnen.

Neuanfang.

Tubbergen in den Niederlanden. Gerardus Johannes List schließt die Schule ab. Der Hof seiner Eltern liegt bereits in den Händen seines älteren Bruders. Stellt sich die Frage, was er nun machen soll. Viele Niederländer zieht es nach Deutschland. Die Wirtschaft dort brummt. Soll er auch gehen? Einen Versuch ist es wert. Nordhorn liegt direkt hinter der Grenze. Der neue Wohnort ist ausgemacht. Mit einem Koffer in der Hand wagt er den Neuanfang. 

Flexibel.

Er ist Maurer und versteht sein Handwerk. Wenn schon Neuanfang, dann richtig, denkt er sich. Er gründet 1901 sein eigenes Unternehmen und erhält die ersten Aufträge. Aber der Winter macht ihm schwer zu schaffen. Die Baustellen stehen still und ihm fehlen die Einnahmen daraus. Aber er weiß sich zu helfen, denn er kennt sich auch mit Holzschuhen aus. Damit kann er sich gut über Wasser halten. Erst braucht er die Schuhe noch, um über den Winter zu kommen. Nach und nach läuft das Baugeschäft aber immer besser an. Die ersten Mitarbeiter können eingestellt werden. Die Schuhe sind Geschichte. Ab jetzt wird gebaut.    

Tragisch. 

Die Medizin macht Fortschritte. Krankheiten sind dennoch eine große Gefahr. Aber es nützt nichts. Auch bei schlechtem Wetter darf die Arbeit auf den Baustellen nicht stillstehen. Das Geld sichert den Lebensunterhalt der Familie, die sieben Kinder wollen ernährt werden. Und Gerardus Johannes List geht mit gutem Vorbild voran. Er steht in einem frisch gemauerten Keller knöcheltief im Wasser. Es ist kalt und der Wind pfeift ihm um die Ohren. Er weiß es noch nicht, aber das ist sein Todesurteil. Die Lungenentzündung ist stärker als er.


Gerardus Johannes List

Lebenszeit: 7. April 1870–Frühjahr 1926
Zeit im Unternehmen: 1901–1926
Entwicklung des Unternehmens LIST: Das Unternehmen wächst zu einem soliden Maurerbetrieb heran. 



2. Generation

Ende des Ersten Weltkriegs. Inflation. Rentenmark. Aufschwung. Höhenflug. Goldene Zwanziger. Frauen. Fließband. Kunst. Musik. Jazz. Charleston. Vergnügen. Börsencrash. Tiefer Fall.  Weltwirtschaftskrise. Unzufriedenheit. Nationalsozialismus. Krieg. Angst. Sorge. Verpflichtungen. Auf. Und ab.

Unerwartet.

Nordhorn, nahe der niederländischen Grenze. Die List-Familie ist groß und Gerhardus Paulus List ist der älteste von insgesamt sieben Geschwistern. Ihm steht das Unternehmen seines Vaters zu. Eine Herausforderung, aber auch eine Ehre. Die für ihn vorgesehene Rolle passt zu ihm. Er ist ein Macher, ein Netzwerker und hat viele Visionen. Aber der plötzliche Tod seines Vaters ist ein Schock. Dennoch muss der Maurerbetrieb weitergeführt werden. Jetzt ist also er an der Reihe. Aus Trauer wird Stolz. Ab sofort führt er das Werk seines Vaters fort.  


Strategisch.

Es läuft gut. Über 100 Mitarbeiter hat Gerhardus Paulus List bereits angestellt. Aber dann bricht der Krieg aus und sein Unternehmen muss sich "kriegswichtigen Aufgaben" verschreiben. Der Bau von Baracken und Co. steht nun auf der Tagesordnung. Dennoch verliert Gerhardus Paulus List seine eigenen Ziele nicht aus den Augen. Als studierter Ingenieur darf er „Eisenbeton“ herstellen. Ein riesiger Wettbewerbsvorteil, da er Brücken aus Beton bauen darf. Außer ihm gibt es vor allem in der Region nur wenige, die das dürfen. Und das weiß er zu nutzen. Das Unternehmen zieht um. Die neue Adresse liegt direkt am Nordhorn-Almelo-Kanal. Zement, Kies und Sand können von hier aus direkt angeliefert werden. Das verschafft ihm Aufträge. Und die wollen abgearbeitet werden. Er verlangt von seinen Mitarbeitern Disziplin. Zeigt sie aber auch selbst. Morgens um fünf Uhr ist er der Erste auf dem Platz. Frisch gestriegelt versteht sich. 

Engagiert.

Gerhardus Paulus List hat zwei große Leidenschaften: sein Unternehmen und seine Zunft. Und dafür tritt er ein. Er leistet Verbandsarbeit, leitet Arbeitsgemeinschaften, trifft sich mit strategisch wichtigen Personen und baut sich ein Netzwerk auf. Die Wirtschaft lief schon einmal besser, aber er lässt sich seine positive Grundeinstellung nicht nehmen. Er macht aus jeder Situation das Beste. Dabei fasst er sich an die eigene Nase. Als Kreishandwerksmeister nimmt er aber auch seine Kollegen in die Pflicht. Er setzt sich ebenso für Gemeinschaft und Zusammenhalt wie auch für Fortschritt und zeitgemäßere Arbeitsmethoden ein. Geht dabei Diskussionen und Kritik nicht aus dem Weg. Er erlebt Höhen und Tiefen. Das tut seinem Engagement aber keinen Abbruch. Am Ende zwingt ihn die Krankheit zum Rückzug aus dem geliebten Beruf. 


Gerhardus Paulus List 

Lebenszeit: 30. Juni 1897–März 1969 
Zeit im Unternehmen: 1926–1965
Entwicklung des Unternehmens LIST: Wachstum bis auf 120 Beschäftige, Ergänzung von Zimmerei- und Tiefbauabteilung, Umwandlung in eine O.H.



3. Generation

Ende des Zweiten Weltkriegs. Wiederaufbau. Bundesrepublik. DDR. Wirtschaftswunder. Wachstumsbranchen. Bauwirtschaft. Stahlindustrie. Maschinenbau. Automobilindustrie. Industrialisierung der Landwirtschaft. Motorisierungswelle. Rock 'n' Roll. Konsum. Farbfernsehen. Massenmedien. Freizeit. Neil Armstrong. Fußball-Weltmeister. Stagnation. Inflation. Arbeitslosigkeit. Unsicherheit. RAF.

Pflicht. 

Wird er Maurer oder Tischler? Das sind die zwei Möglichkeiten, die Gerhard-Ernst List von seinem Vater angeboten werden. Dass er als Erstgeborener das Unternehmen weiterführen wird, steht fest. Da kann man wenig machen. 

Umbruch.  

Wie bei Familie List steht auch bei dem zweiten Gesellschafter des Unternehmens eine Nachfolge an. Die Charaktere der beiden Junioren können aber leider unterschiedlicher nicht sein. Der Tagesablauf ist geprägt von Uneinigkeit und Diskussionen. Hinzu kommt, dass sich Gerhard-Ernst Lists Bruder Heinz List sogar so unwohl fühlt, dass er nach nur kurzer Zeit im Unternehmen aus diesem wieder austritt. Die Beteiligten setzen sich deshalb zusammen und malen verschiedene Szenarien aus. Es ist nicht klar, ob das Unternehmen in List-Besitz bleibt. Aber sie werden sich einig. Aus dem einen Unternehmen gehen zwei hervor. Jetzt müssen die Ärmel noch einmal richtig hochgekrempelt werden. Zwei der Kollegen übernehmen dabei besonders viel Verantwortung: Hermann Smit und Hans-Friedrich Schüürmann. Gemeinsam mit ihnen und seinen Leuten schafft Gerhard-Ernst List es, gestärkt aus dem Umbruch hervorzugehen. Von nun an geht es ihm um Sicherheit und Stabilität. 

Fortschritt.

Die Technik macht Fortschritte. Neue Arbeitsmittel sollen die Arbeit erleichtern. Viele haben eine Abwehrhaltung. Gerhard-Ernst List ist neugierig. Setzt sich mit den Dingen auseinander. Bespricht sich mit seinen Mitarbeitern dazu und schafft das an, was er für sinnvoll hält. Beispielsweise das Faxgerät, der Laser oder die erste elektronische Rechenmaschine überzeugen ihn. Dafür nimmt er das Geld in die Hand. Vereinzelt sind seine Mitarbeiter skeptisch. Aber Ausreden lässt er nicht gelten. Wenn es die neue Technik gibt, dann muss man sie auch nutzen. 

Verbundenheit.

Gerhard-Ernst List wird älter und nimmt sich bewusst Zeit für andere Dinge. Die Führung des Unternehmns ist längst an seinen Sohn übergegangen. Aber so richtig loslassen kann und will er noch nicht. Dazu zwingt ihn aber ja auch niemand. Also schaut er täglich nach dem Rechten und holt sich weiterhin jeden Morgen seinen obligatorischen Chef-Kaffee ab. 


Gerhard-Ernst List 

Lebenszeit: 01. März 1929–01. August 2014
Zeit im Unternehmen: 1953–1990
Entwicklung des Unternehmens LIST: Teilung des Unternehmens, Stärkung des Rufs als regional großes Rohbauunternehmen, Erweiterung des Arbeitsradius. 



4. Generation

Mauerfall. Wiedervereinigung. C64. Euphorie. Ernüchterung. Konjunkturaufschwung. Mobilität. Fernreisen. Erneuerbare Energien. Globalisierung. EU. Binnenmarkt. Innovationen. Investitionen. Euro. Terror. Gentechnik. Techno. Billigflieger. Digitalisierung. Google. Apple. Facebook. Lehman Brothers. Finanzkrise. Immobilienkrise. Europa. Rettungsschirme. Fußball-Weltmeister. Wirtschaftswachstum. Flüchtlinge. Rechtsruck. Bauboom. Fachkräftemangel. 

Entscheidung.  

Gerhard List hat nicht gerade den besten Zeitpunkt zum Einstieg in das Unternehmen erwischt. Die Wirtschaft hat schon einmal bessere Zeiten gesehen. Die Auftragslage ist schlecht und er hat Mühe, seine Mitarbeiter zu beschäftigen. Außerdem ist der Markt im Umbruch. Die Unsicherheit ist groß, aber er stellt sich ihr. Und vor allem stellt er sich der Frage, ob Rohbau wirklich noch das Geschäft der Zukunft ist? Mit einem Unternehmensberater entwickelt er verschiedene Zukunftsszenarien.

Umsetzung.  

Seine Entscheidung ist gefallen: Schlüsselfertigbau. Jetzt braucht er nur noch einen Profi an seiner Seite, mit dem er den neuen Weg einschlagen kann. Gerhard List sucht und wird fündig. Mit Hans Ströcker gründet er LIST SF-Bau. Zunächst ein zweites Standbein neben dem Rohbau. Bald der Ersatz. Aber damit nicht genug. Er holt sich auch eigene Kompetenzen für die Projektentwicklung ins Haus. Sein bisheriger Auftraggeber Dr. Vogt und sein Freund Hubert Wilbers werden zu seinen Partnern. Gemeinsam bauen sie die Expertise aus.

Sichtbarkeit.

Endlich ist es da: das Umzugswochenende. Die letzten zwei Jahre haben Gerhard List und sein Team viel Zeit in den neuen Standort mitten in der Nordhorner Innenstadt investiert. Und jetzt ist das Gebäude fertig und bezugsbereit. Alle packen fleißig mit an. An nur einem Wochenende ist der Umzug geschafft. Und als Gerhard List Montagmorgen ins Büro kommt, sitzen die ersten wie selbstverständlich an ihrem neuen Platz und arbeiten wie jeden Tag. Er ist sich sicher: Er und sein Team sind so weit. Das neue Gebäude ist in seinen Augen ein Symbol für den Wandel, den das Unternehmen bereits vollzogen hat. Von jetzt an stehen die  Zeichen auf Expansion.  

Expansion.

Der Markt liefert die Rahmenbedingungen, die Gerhard List braucht. Die Nachfrage ist groß. Er gründet in Bielefeld ein zweites Schlüsselfertigbau-Unternehmen. Die letzten Jahre haben ihm gezeigt, dass er zum Wachsen die richtigen Leute braucht und dorthin gehen sollte, wo diese sind. Und Bielefeld verspricht viel. Die Gründung zahlt sich aus. Schnell können neue Stammkunden gefunden werden. Also drückt Gerhard List weiter aufs Gaspedal. Sucht nach geeigneten Kandidaten für gemeinsame Unternehmensgründungen und wird nach und nach fündig. Die Sparte Schlüsselfertigbau wird um drei weitere Unternehmen und die Sparte Projektentwicklung um zwei Unternehmen ergänzt. Zudem holt sich Gerhard List Spezialisten für die Finanzierung, die Planung, BIM und das Projektmanagement ins Unternehmen. Ein bisschen Risiko gehört immer dazu, aber Stillstand ist keine Option. Auch nicht für die Zukunft. Die Visionen sind da.


Gerhard List 

Lebenszeit: geboren am 12. Mai 1960
Zeit im Unternehmen: 1987–heute
Entwicklung des Unternehmens LIST: Ausbau der Sparten Schlüsselfertigbau und Projektentwicklung, Aufbau der Kompetenzen Finanzierung, Planung, BIM und Projektmanagement.  



Fotos: Olivhill, picture-alliance / akg-images, LIGHTFIELD STUDIOS, Catchlight Visual Services / Alamy Stock Foto; Privat



Bauwerk