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Schneller Boden, langsamer Boden? Vom Granulat unter den Sportschuhen.

Aschebahnen gehören vielerorts längst der Vergangenheit an. Moderne Wettkampfarenen werden heute mit Kunststoffböden ausgestattet. Egal, ob Laufbahn, Tennisplatz oder Hallen-Fußballfelder. Aber was macht eigentlich einen guten Sportboden aus? Wir haben nachgefragt beim Unternehmen Melos, weltweit ein führender Hersteller in diesem Bereich. Und geben außerdem Aufschluss darüber, wie BIM und Digitalisierung damit zusammenhängen.

Usain Bolts Sprint-Weltrekord ist unangefochten. Bei der Weltmeisterschaft 2009 lief der Jamaikaner die 100 Meter in 9,58 Sekunden. Doch nicht nur sein Lauf erzielte weltweite Beachtung, sondern auch die Bahn, auf der Usain Bolt rannte. Während die meisten Laufbahnen rot sind, laufen die Leichtathleten im Berliner Olympiastadion auf einem blauen Kunststoffbelag. Die Bahn in der Sonderfarbe wurde 2004 in das Berliner Stadion eingebaut – in der blauen Farbe des Vereins Hertha BSC. 

Das blaue Granulat der Laufbahn im Olympiastadion stammt von der Firma Melos im niedersächsischen Melle. Das Unternehmen ist ein führender Hersteller von farbigen Kunststoffen, die für Laufbahnen, Sportstadien, Kunstrasenplätze, Tennisplätze und andere Anlagen verwendet werden. Auf Spielplätzen dient das Material als Fallschutz. An dem Standort in Melle arbeiten 250 Mitarbeiter auf einer Betriebsfläche von 48.000 Quadratmetern. Sie entwickeln nicht nur neue Produkte, sondern stellen auch die Granulate vor Ort selbst her. 
 


Je härter der Boden, desto schneller der Läufer.


In einem eigenen Labor und Kompetenzzentrum forschen die Mitarbeiter, wie man die Bodenbeläge noch verbessern kann. Denn Laufbahn ist nicht gleich Laufbahn. Die wichtigsten Eigenschaften einer Leichtathletiklaufbahn sind ihr Kraftabbau und ihre Elastizität. Ein Teil der abgebauten Kraft wird von der Laufbahn absorbiert, der andere Teil wird durch Rückfederung wieder an den Sportler zurückgegeben. Je weicher der Boden ist, desto mehr federt der Sportler. Je härter dagegen die Laufbahn ist, desto schneller kann man laufen. Allerdings schädigt ein harter Belag auf Dauer die Gelenke und Sehnen. Daher unterliegt eine Wettkampfstrecke auch festgelegten Auflagen. „Es gibt bestimmte Normen und Zertifizierungen, die der Belag einhalten muss“, sagt Luigi Di Bella, Marketing Manager von Melos.


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Zu den ausschlaggebenden Kriterien einer Laufbahn zählt nicht nur der Kraftabbau, sondern auch, wie rutschsicher die Bahn ist. Die Schuhspikes der Läufer dürfen sich weder einbohren, noch dürfen sie abrutschen. Auch muss eine Laufbahn fugenlos sein, damit keine Stolperfallen entstehen. Daher werden die Kunststofflaufbahnen von Melos auch vor Ort hergestellt und nicht etwa als Rollware verlegt. 


Von Pferderennbahn bis Spielplatz.


Der künstliche Bodenbelag, den Melos produziert, wird vielfältig eingesetzt. „Wir machen ja nicht nur Laufbahnen. Es gibt immer wieder neue Anwendungsbereiche. Ganz neu haben wir zum Beispiel mit dem Stylemaker-Programm Motive und Objekte entwickelt, die man als bunte Bodenbilder oder 3D-Objekte in Spielplätze einbauen kann“, sagt Luigi Di Bella. Das Unternehmen, das zur Gruppe der Sport Group gehört, hat bereits viele bekannte Projekte mit den Gummigranulaten beliefert: zum Beispiel die größte Pferderennbahn in Dubai. Und an ihrem Firmenstandort hat Melos auch den Sportverein SC Melle ausgestattet. 

Hergestellt werden die Granulate aus Materialien, die zu einem Großteil aus Kautschuk und Zusatzstoffen wie Polymeren bestehen. Die Materialien werden vermischt und dann mit Farbpigmenten eingefärbt. Anschließend werden sie zu sogenannten Fellen umgearbeitet. Sind diese ausgehärtet, werden sie zu kleinen Granulaten geschnitten, abgepackt und an die Kunden verkauft.

Direkt auf dem Melos-Gelände gibt es das Melos Village – ein Open-Air-Showroom, in dem Kunden Sport- und Freizeitböden aktiv entdecken können.


LIST Digital implementiert BIM beim Sportbelag- Hersteller.


LIST Digital begleitet die Sport Group hinsichtlich der Themen BIM und Digitalisierung. Unsere Experten erarbeiten individuelle Digitalisierungsstrategien für den Hersteller von Sportbelägen und unterstützen bei deren Implementierung. 

Entwickelt wird ein Online-Formular, das alle relevanten Projektinformationen schnell und einfach erfassen kann. Die Idee dabei ist folgende: Zum einen soll das Formular unmittelbar einen Richtpreis für Projekte ausgeben. Zum anderen sollen diese Formulardaten mittels standardisierter 3D-Modelle, Produktdatenbanken und Bestandsinformationen des Baugrundstücks eine individuelle Planung des Sportplatzes erzeugen, in 3D. Daraus können Produktionsmengen für den Systemaufbau des Belags, Leistungsbeschreibungen und verbindliche Angebote abgeleitet werden.


Teaser und Titel: picture alliance/REUTERS/DOMINIC EBENBICHLER