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Outdoor extrem – Klettern im Eis und über dem tiefsten See der Welt.

Mitten auf dem Baikalsee in Sibirien im tiefsten Winter. Die Kälte ist extrem. Dem Schweizer Extrembergsteiger Dani Arnold vom Mammut Pro Team pfeift der eisige Wind um die Ohren. Unter ihm knarrt und knackt das Eis. Und vor ihm liegt eine spannende Herausforderung. Auf den Inseln des Sees will er neue Eiskletterrouten erschließen – ebenso schwierig wie faszinierend. Fündig wird er auf Olkhon Island.

Mammut Pro Team Athlet Dani Arnold fand im Februar 2020 am Baikalsee die richtigen Bedingungen für eine neue Herausforderung in seinem Spezialgebiet Eisklettern: kalte Temperaturen und einen tiefen sibirischen Winter. Zu dieser Jahreszeit sind die Bedingungen rund um den Baikalsee mit Tiefsttemperaturen um die –35 Grad Celsius so extrem, dass bisher kaum ein Athlet oder eine Athletin das Abenteuer Eisklettern über dem tiefsten See der Welt in Angriff genommen hatte. Dani reizte nach dem erfolgreichen Free Solo-Rekord an der Nordwand der Großen Zinne im Sommer 2019 neben den extremen Bedingungen am Baikalsee auch die Region als solches. „Früher haben mich die klassischen Bergsteigerorte wie Patagonien, Nepal und Alaska motiviert. Heute faszinieren mich nicht mehr nur die Berge, sondern auch die Länder, in denen sie stehen, sowie die Menschen und deren Kultur“, so der Alpinist. „Klar möchte ich als ehrgeiziger Athlet neue und schwierige Kletterrouten machen. Die schwierigen Projekte wie Free-Solo-Rekorde kosten aber vor allem mental viel Energie, sodass ich den Fokus bei anderen Projekten bewusst etwas anders setzen muss!“, erklärt Dani weiter. Deshalb machte er sich mit etwas weniger Risiko und in Begleitung einer vierköpfigen Crew, zu der auch sein spontan mitgereister Vater Fredy zählte, in Sibirien auf die Suche nach vereisten Routen.


Über Dani Arnold.

Die Bergwelt hat Dani Arnold schon in jungen Jahren fasziniert. Nicht zuletzt aufgrund seines Daheims: Er ist im Kanton Uri aufgewachsen. Genauer gesagt, im Schächental auf 1.720 Metern Höhe. Um zur Schule zu kommen, mussten er und seine Geschwister mit der Seilbahn ins Tal fahren. Und schon ganz früh unternahmen sie mit ihrem Vater Bergtouren – erst leichte Wanderungen, später einfache Klettereien. Schon damals wollte er aber immer noch weiter gehen, mehr unterwegs sein, schwieriger klettern, schneller vorankommen, um immer wieder tolle Abenteuer in den Bergen zu erleben. Mittlerweile ist der Alpinismus für ihn weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung und ein Großteil seines Lebens dreht sich ums Bergsteigen. Er kletterte durch die Eigernordwand. Dann pickelte er sich die schwierigsten Eis- und Mixedrouten Europas hoch. Später war er bei der ersten Winterbesteigung des Torre Egger in Patagonien mit von der Partie. Es folgten weitere Erfolge in Alaska sowie die Breitwangflue-Trilogie.



Die Extreme des sibirischen Winters




Bereits die ersten Tage der Expedition hatten es in sich. Die extremen Temperaturen, die klettertechnisch schlecht dokumentierte Region und die Sprachbarriere erschwerten die Suche nach Kletterorten und verlangten der Crew mental und körperlich einiges ab. Die Suche selbst erwies sich als ein einmaliges Abenteuer, da sich die Gruppe nur auf einem Hovercraft auf dem gefrorenen See bewegen konnte – technische Pannen beim Einbrechen der Nacht sowie ausgehendes Benzin und damit aussteigende Heizungen inklusive. Umso eindrucksvoller waren die ersten eigenen Schritte auf dem Eis des Sees. „Die vollkommen klare Sicht durch das dicke Eis in den tiefsten See der Welt war extrem faszinierend und wird uns allen lange in Erinnerung bleiben“, erzählt Dani. Als sich das Team an das ständige Knacken und Knallen des Eises gewöhnt hatte, gestaltete sich die Suche nach geeigneten Spots zum Klettern immer besser.




Zehn neue Kletterrouten


Auf einer der rund 50 Inseln des Baikalsees, der Olkhon Island, stellte sich aus klettertechnischer Sicht der Erfolg ein. Mit jedem Tag wurden die neu eingeschlagenen Routen direkt über dem gefrorenen See länger und schwieriger. Insgesamt gelang es Dani Arnold, an den berühmten Klippen der Insel zehn neue, bis zu 40 Meter lange Routen zwischen WI5 bis M8* zu klettern. Dabei lag die größte Herausforderung im Umgang mit der Kälte. Bei diesen Minustemperaturen wurde für die Kletterer jeder Handgriff mühsam und dauerte viel länger als gewohnt. Das Klettern funktionierte zwar den Umständen entsprechend gut, aber das Eindrehen einer Eisschraube war in diesem pickelharten Eis „noch nirgends auf der Welt schwieriger“, erinnert sich Dani. Dennoch habe es sich definitiv gelohnt, die weite Reise in den Winter Sibiriens zu wagen, meint der Schweizer: „Es war eine unglaubliche Zeit mit vielen netten Leuten, einer wunderschönen Region mit den extremsten Bedingungen und vielen bleibenden Erinnerungen.“

* WI5 auf der „Water Ice“-Eiskletter-Schwierigkeitsskala von WI1 bis WI7; M8 auf der Mixed-Kletter-Schwierigkeitsskala von M1 bis M13.




Über die Expedition

Der Baikalsee im Süden Sibiriens ist der tiefste See der Erde und liegt inmitten einer bergigen Region in Russland nördlich der mongolischen Grenze – er entspricht in etwa der Größe Belgiens. Außerdem ist der See ein UNESCO-Weltnaturerbe und mit 1.642 Metern der tiefste, mit mehr als 25 Millionen Jahren der älteste und mit mehr als 23.000 km³ Volumen der wasserreichste Süßwassersee der Erde.

Die 13-tägige Expedition startete in Irkutsk, wo sich der einzige Abfluss des Baikalsees befindet. Ziel der Expedition waren die berühmten Klippen der Insel Olchon (engl. Olkhon Island). Die Berge der zentral gelegenen Insel des Baikalsees erreichen im Nordosten eine Höhe von 1.274 Metern und verwandeln sich im Winter zu großartigen Herausforderungen für Eiskletter:innen.

Die Expedition diente auch dazu, die neueste Generation der Eiger Extreme Kollektion der High-End-Bekleidungslinie des Schweizer Bergsportspezialisten Mammut einem echten, harten Belastungstest zu unterziehen. Kletterstar Dani Arnold war vorab auch an deren Entwicklung beteiligt.



Titel und Teaser: Mammut/Thomas Monsorno