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Besondere Ansprüche an ein Wohnquartier – Obermenzing in München.

Die Bevölkerungsprognose von München zeigt steil nach oben. Bis zum Jahr 2040 werden voraussichtlich 1,85 Millionen Menschen in Deutschlands drittgrößter Metropole leben. Das bedeutet ein Wachstum von 18,8 Prozent. Neue Wohnungen müssen her, das steht außer Frage. Bei einem so starken Wachstum und in einer so dicht besiedelten Stadt wie München ist es mit dem einen oder anderen Lückenschluss nicht getan. Da wird die Projektentwicklung schnell auch zur Stadtteilerweiterung. 


Ein Beispiel: das traditionelle Obermenzing.


Wo im Westen Münchens bislang Traktoren das Feld pflügten, errichtet LIST Bau München im direkten Anschluss an die bestehende Wohnungsbebauung und im Auftrag des Wittelsbacher Ausgleichsfonds zurzeit fünf Wohnungsriegel mit insgesamt 193 modernen und barrierefreien Wohnungen schlüsselfertig. Die Gebäude sind Teil einer größeren Quartiersplanung. Zwei weitere Bauherren komplettieren das Projekt. Insgesamt entstehen rund 340 Mietwohnungen für mehr als 800 Menschen sowie eine Kindertageseinrichtung und eine öffentliche Grünfläche mit Spielplatz. Da scheint es eine echte Meisterleistung in Sachen Kommunikation und Koordination, dass die Bauarbeiten heute auf Hochtouren laufen.

Wir haben uns mit Hanspeter Beißer, Justitiar beim Wittelsbacher Ausgleichsfonds, vor Ort getroffen und ihn über die Herausforderungen dieser besonderen Projektentwicklung befragt.

 

Fangen wir mit der Konstellation an. Sind die insgesamt drei Projekte als ein Vorhaben zu verstehen oder kann da jeder machen, was er will?
H. B.: „Es gab einen übergreifenden Bebauungsplan, der die Struktur des gesamten Baugebiets vorgibt. Besonders prägend darin sind die großzügigen Grünflächen, die das Gebiet gliedern und nach Osten zu dem verbleibenden Ackerland hin abrunden. Dementsprechend haben sich die beteiligten Eigentümer für eine enge Zusammenarbeit bei der Planung und Erstellung der Freiflächen entschieden. Die Baukörper wurden von drei verschiedenen Architekten geplant, die den Gebäuden ihre jeweils eigene Handschrift verleihen. Aber selbstverständlich haben wir uns auch hier im Genehmigungsprozess eng mit den benachbarten Eigentümern abgestimmt. Nur so konnten wir eine Lösung schaffen, die sich erfolgreich an den bestehenden Stadtteil anschließt.“

 

Das war aber doch sicherlich nicht immer ganz einfach, oder? 
H. B.: „Natürlich ist es nicht selbstverständlich, dass mehrere Eigentümer mit ihren verschiedenen Architekten und Fachplanern eine solche Entwicklung gemeinsam vorantreiben und realisieren. Die Koordination ist aus meiner Sicht aber gut gelungen, ohne dass die individuellen Ziele und Vorstellungen eines jeden Bauherrn dabei zu kurz gekommen wären.“
 

Also haben Sie ein gemeinsames Grundverständnis für die groben Eckparameter – wie würden Sie das beschreiben?
H. B.: „Obermenzing ist ein gewachsener Stadtteil von München, der auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Und wir Projektentwickler müssen damit umgehen. Mit dem Baugebiet an der Lipperheidestraße erfolgt eine behutsame Erweiterung und Abrundung der bestehenden Bebauung, die den Bedürfnissen einer wachsenden Wohnbevölkerung Rechnung trägt, ohne jedoch die vorhandenen Strukturen anzutasten.“

 

Und welche Anforderungen hat die Stadt in Bezug auf die Integration und die Nachbarschaft gestellt?
H. B.: „Da ging es weniger um optische als um funktionale Dinge. Für die öffentliche Erschließung und die Infrastruktur waren beispielsweise ganz konkrete Rahmenbedingungen vorgegeben. Aber zum Beispiel die gute Anbindung oder Laufwege und Blickachsen sind natürlich auch in unserem Interesse. Darüber hinaus trägt auch die Landeshauptstadt ihren Teil zur Entwicklung bei. So entsteht im unmittelbaren Anschluss an die private Bebauung eine Kindertagesstätte, die vor allem auch den künftigen Bewohnern des Baugebiets zugutekommt.“


Titel und Teaser: a|w|sobott, André Sobott