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Variante "Abbruch und Neubau" –
im Kopf von Michael Bleiziffer gibt es die Neutor Arkaden bereits...

Wo jetzt eine Bruchbude thront, plant LIST Develop Commercial ein innerstädtisches Quartier mit neuem Lebens- und Arbeitsraum für Emden. Im Kopf von Projektentwickler Michael Bleiziffer steht es schon.

Michael Bleiziffer, Projektentwickler von LIST Develop Commercial, steht im Anlieferungsbereich der ehemaligen Kaufhalle in Emden. Jetzt, wo feststeht, dass das Objekt nicht revitalisiert, sondern abgerissen und neugebaut wird, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Er wählt die Nummer des Expansionsgebietsleiters der Müller Drogerie. 

„Hallo Herr Linneweber, ich bin gerade in Emden und schaue mir das Bestandsobjekt an. Können Sie mir noch einmal beschreiben, wie Sie sich den Anlieferungsbereich wünschen würden, wenn wir bei diesem Projekt zusammenkommen?“ Er nickt und lässt den Blick durch den Raum schweifen. „Ja, das kann ich mir hier ganz gut vorstellen. Und dabei achten wir dann darauf, dass wir die Wege für Sie möglichst kurz halten“, sagt er und wartet die Antwort des Expansionsleiters ab. „Perfekt. Dann verschaffe ich mir jetzt erst noch einmal einen Überblick im Gebäude und rufe Sie nach meinem Rundgang erneut an.“ Er legt auf, steckt das Handy in die Jackentasche und macht sich auf den Weg.

Als Laie würde man in diesem verdreckten Taubenschlag vermutlich viel entdecken können, hätte wahrscheinlich aber Schwierigkeiten damit, sich ein modernes und attraktives Quartier mit Handels-, Büro- und Wohnflächen vorzustellen. Michael Bleiziffer hingegen hat einen geschulten Blick. Während er durch das Erdgeschoss läuft, weiß er genau, wo die Eingangssituation von Müller platziert sein wird, wie die Laufwege der Kunden sein könnten und welchen Weg die Mitarbeiter des Fachkaufhauses zu ihren Sozial-, Aufenthalts- und Lagerräumen gehen müssen. Darüber hinaus hat er im Blick, wie sich die Kunden außerhalb des Gebäudes bewegen. In seinem Kopf sind die Neutor Arkaden in den letzten eineinhalb Jahren bereits entstanden. 

 

Blicken wir kurz zurück:

Im Herbst 2016 hatte Michael Bleiziffer einen Termin bei der Stadt Emden für ein ganz anderes Projekt in der Nähe des Bahnhofs. Die Stadt, die auf der Suche nach einem Investor für die seit Jahren leerstehende Kaufhalle war, nutzte die Gelegenheit kurzerhand und brachte das Bestandsgebäude sowie die umliegenden Flächen als Alternative ins Spiel. Das Objekt hatte zwar eine super Lage, aber das allein reicht nicht für eine erfolgreiche Projektentwicklung. Aber es musste alles sehr schnell gehen. Die Stadt lobte gerade ein weiteres Investorenauswahlverfahren aus und es blieb nicht viel Zeit, noch ein Angebot zu formulieren und einzureichen. Der Projektentwickler brachte seine Ideen zu Papier, ermittelte ein erstes Kaufpreisangebot und überzeugte. Drei Monate später folgte eine Einladung zu einem Präsentationstermin im Stadtrat. 


Das Umfeld am bisherigen Standort entspricht nicht mehr unseren Vorstellungen.

Das Projekt hatte es geschafft: Michael Bleiziffer war in seinen Bann gezogen. Das Konzept nahm schnell erste Formen an. Unter anderem auch, weil einige Mieter von sich aus auf Michael Bleiziffer zukamen. So zum Beispiel Gerrit Linneweber. „Emden ist als Standort für uns sehr attraktiv. Die Stadt ist das Oberzentrum der Region und verfügt über eine große Zentralität“, erklärt der Expansionsleiter von Müller. „Wir betreiben in der ostfriesischen Stadt deshalb bereits eine Filiale, sind mit der Mikrolage aber nicht hundertprozentig zufrieden. Das Umfeld entspricht nicht mehr ganz unseren Vorstellungen. Als ich dann hörte, dass Flächen in Innenstadtlage mit einem Parkhaus nebenan entstehen, wurde ich natürlich hellhörig.“

Gerne erinnert sich Michael Bleiziffer an die erste Besichtigung der Bestandsimmobilie. „Durch ein leer gefegtes Kaufhaus zu laufen, ist und bleibt auch für mich eine spezielle Situation. Man fühlt sich zwischendurch wie in einem Film“, gibt der Projektentwickler einen Einblick. „Man läuft durch eine endlos weite Fläche und muss es erst einmal schaffen, den Schalter umzulegen und über mögliche Nutzungen nachzudenken.“ Abgesehen von dem vielen Dreck, kaputten Fenstern und anderen Relikten vergangener Tage fiel das Ergebnis positiv aus: Die Bausubstanz schien in nutzbarem Zustand und die Nutzungskonzepte der verschiedenen Mieter mit der Immobilie kompatibel zu sein. Gemeinsam mit den pbp architekten aus Hamburg wurde eine konkrete Planung erstellt: Handel im Erdgeschoss, Lager und Sozialräume sowie weitere Mietflächen für z.B. Handel oder Dienstleistung im ersten Obergeschoss, ein Hotel im zweiten sowie dritten und Gastronomieflächen im vierten Obergeschoss der ehemaligen Kaufhalle. Darüber hinaus sollten ein neu zu errichtendes Büro- und Geschäftshaus und ein Parkhaus das Quartier vervollständigen.  


Man fühlt sich zwischendurch wie in einem Film.

Im ersten Quartal 2017 erhielt das Projektteam von LIST Develop Commercial den Zuschlag für die Entwicklung des Stadtquartiers. Damit hieß es: Feuer frei. Michael Bleiziffer stürzte sich in die Mieterakquise, die architektonische Planung und sämtliche Themen mit der Stadt wurden weiterentwickelt und konkretisiert. Die Kollegen von LIST BiB Bielefeld und weitere Fachplaner analysierten parallel die Bausubstanz. Das Ergebnis: Das Potenzial des Gebäudes für eine Revitalisierung wäre vorhanden. Die notwendigen Maßnahmen, die diese Immobilie wieder zukunftsfähig machen würden, wären aber immens. Aber kein Grund zur Panik. „Die Herausforderungen an eine Bestandsertüchtigung sind in diesem Fall zu groß, weshalb wir uns hier dann doch für die Variante ‚Abbruch und Neubau‘ entschieden haben“, zeigt sich Michael Bleiziffer offen. „Was im Bestand geplant ist, kann auch in einem Neubau umgesetzt werden.“ Und das Gerrit Linneweber auch keine Einwände hat, erklärt sich vermutlich von selbst. Über mehr Spielraum in der Planung freut sich doch jeder.  


Was im Bestand geplant ist,
kann auch in einem Neubau umgesetzt werden.

Über den Dächern Emdens

„So, da bin ich wieder, Herr Linneweber.“ Michael Bleiziffer steht nach seinem Rundgang im fünften Stockwerk auf dem Balkon der alten Kaufhalle. Mithilfe ihres Flächenplanes konnte ich mir das Ganze gerade schon gut vorstellen. Es war in jedem Fall die richtige Entscheidung, ihre Verkaufsfläche – wenn dann – komplett im Erdgeschoss zu platzieren. Die 1.500 qm sollten wir gut unterbekommen und der Weg ins erste Obergeschoss bleibt den Kunden erspart.“ Er schmunzelt und nickt. „Ja genau, es wird ein Schuh draus. Intern können sie auf jeden Fall das Feedback geben, dass wir ihre Vorstellungen teilen und größtenteils auch so umsetzen können. Ich denke, dass ich mich dann in der nächsten Woche mit einem Vorschlag für den Mietpreis melden werde. Sie hören von mir!“, schließt Michael Bleiziffer das Gespräch ab, legt auf und genießt den Blick über die Stadt, für den allein sich der Marsch durch das in die Jahre gekommene Gebäude gelohnt hat.


Neutor Arkaden

In Emden entwickelt LIST Develop Commercial ein innerstädtisches Quartier. Auf dem ehemaligen Areal der Kaufhalle mitten in der Emder Innenstadt soll voraussichtlich bis Anfang 2020 ein 17.500 qm großes Stadtquartier entstehen, das einem neuen Nutzungsmix aus Handel, Hotel, Wohnen, Gastronomie, Büro/Dienstleistung und Parken zugeführt wird. Das geplante Objekt an der Neutorstraße/Ecke Agterum wird zukünftig im Erdgeschoss sowie gegebenenfalls im ersten Obergeschoss Einzelhandels- bzw. Dienstleistungsnutzungen beherbergen. Im zweiten und dritten Obergeschoss sowie im Staffelgeschoss wird sich die Hotelkette B&B ansiedeln. Ein besonderes Highlight für Besucher wird eine Sky Lounge auf dem Dach der ehemaligen Kaufhalle sein, von der aus man bis zum Hafen blicken kann. In direkter Nachbarschaft entsteht ein mehrgeschossiges Parkhaus mit rund 170 Stellplätzen.


 

 

So sollen die Neutor Arkaden in Emden ab 2020 aussehen ...
... und so sah das Gelände des ehemaligen Kaufhauses gegen 1958 aus.

Bauwerk
Aus der Ausgabe 02/2018

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