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100.000 qm Sandkasten – ein Arbeitstag im Kanal- und Tiefbau.

Klaus Steinweg steht am Anfang eines vollgepackten Arbeitstages. Er ist bereits seit 20 Jahren Polier bei der QUAKERNACK Straßen- und Tiefbau GmbH & Co. KG und trifft heute unter anderem die Vorbereitungen für die Kanalverlegung. Das hat er schon x-fach gemacht. Aber nicht immer so wie heute.

Klaus Steinweg steht vor einem der Bagger auf der rund 100.000 qm großen Baustelle. Die umfangreichen Cut and Fill-Maßnahmen, die nötig waren, um das Gelände für die Neubauten vorzubereiten, haben er und sein Team bereits abgeschlossen.

Gerade erfolgen vorbereitende Arbeiten für die Kanalverlegung und es müssen weitere Flächen, zum Beispiel die Rampen für die Lkw-Ladeflächen, in der Höhe präzise angepasst werden. Er hat alles genau im Blick. „Dann mal ran, heute wird wieder geschafft!“ Der Polier steigt in den Bagger und legt los. Seine Arbeit macht ihm Freude und die Baustelle ist sein zweites Zuhause. Das war vor 20 Jahren so und ist auch heute noch so. Jeder Tag ist anders, dazu die frische Luft, die Bautätigkeit an sich und der Umgang mit den Maschinen. Und, dass jeden Tag erkennbar ist, was getan wurde. Er betätigt einen Hebel im Bagger.

Damit dreht er die Maschine, um das Grabgefäß zu wechseln. Das geht heute um einiges einfacher als früher. Mit dem hydraulischen Schnellwechsel dauert das nur ein paar Sekunden – ohne den Aufwand von Muskelkraft. Klaus Steinweg drückt den Knopf. „Löffel ab, Löffel drauf. Zack, fertig!“ Der Polier gibt neue Befehle auf dem Monitor vor ihm ein, auf dem ihm die Pläne des Bauvorhabens angezeigt werden. Die Position des Baggers wird per GPS angezeigt. Die Maschine fährt mit Hilfe des digitalen Plans zur eingegebenen Stelle. Klaus Steinweg braucht nur die Richtung und die Geschwindigkeit zu halten.



Macht der Gewohnheit

Vor vielen Jahren hätte der Polier nicht gedacht, dass das mal möglich sein würde. Deshalb stand er der neuen Technik auch erst etwas skeptisch gegenüber. Er hatte bereits viel Erfahrung gesammelt und seine Baustellen fest im Griff. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – ganz klar. Und wenn es gut läuft, warum sollte man dann etwas verändern? Und ein klein wenig Angst vor dem, was da auf mich zukommt, hatte ich sicher auch.“ Gerade deshalb ermutigte ihn sein Chef, sich auf die technische Innovation einzulassen. Jan Möllmann, Geschäftsführer von QUAKERNACK, hatte ihm versichert, dass Klaus Steinwegs Erfahrung nach wie vor im Mittelpunkt stünde und seine Arbeit lediglich durch die GPS-Technik erleichtert werden würde.


Was keine Maschine ersetzen kann

Leute wie Klaus Steinweg

Erfahrung ist ein Kapital, das einen unschätzbaren Wert hat. Daran hat sich in den letzten über 100 Jahren bei QUAKERNACK nichts geändert. Das Familienunternehmen baut auf und mit der Erfahrung seiner langjährigen Mitarbeiter. Welchen Wert Fachkräfte wie Klaus Steinweg haben, weiß Jan Möllmann genau: „Mit Leuten wie Klaus können wir Aufgaben meistern und Projekte bewältigen. Er weiß genau, wann was wie gemacht werden muss – das kann keine Maschine dieser Welt ersetzen. Da bewahren wir unsere Tradition.“

Daran will der Geschäftsführer auch festhalten - denn warum etwas verändern, wenn es gut so ist, wie es ist? „Bei uns muss eine Veränderung einen Mehrwert bieten. Wir verändern nichts um der Veränderung willen. Eine Neuerung sehen wir als Möglichkeit, uns zu verbessern oder die Arbeit zu erleichtern“, macht er deutlich. „Wir sind offen für die Chancen von Wandel, wie die Einführung der neuen Technik.“ Eine Sichtweise, die Klaus Steinweg heute teilt.



Hölzer kloppen war gestern

Während der Polier den Bagger fährt, erklärt er, was sich durch die Neuerung getan hat: „Die Art der Ausführung, wie wir Aufgaben umsetzen, hat sich gewandelt. Die Möglichkeit der Vermessung eines Grundstücks und die Steuerung der Maschinen per GPS hat den gesamten Tiefbau revolutioniert. Dadurch erfüllen wir unsere Aufgaben viel genauer und mit einer höheren Geschwindigkeit, die auch gefordert wird.“ Eine neue Möglichkeit, die QUAKERNACK als absolut sinnvoll bewertet hat, täglich konsequent nutzt und die sich auch bestätigt hat. Die Kombination aus Handwerkstradition und Innovation funktioniert. „Man findet bei uns die Technik der Zeit, aber der Kern unserer Arbeit bleibt die Erfahrung und das Können von uns Mitarbeitern.“


Operation am offenen Boden

Klaus Steinweg schätzt den offenen Umgang mit Geräteneuheiten im Unternehmen sehr und hat sich darauf eingelassen. Ihm macht der Gebrauch der Technik Spaß. Am im Bildschirm eingegebenen Ort angekommen passt er die Höhe des Bodens an einer Ladestelle für Lkw an. „Die heutigen Bagger können das Bodenmaterial so präzise schaufeln, dass keine Nachbesserung per Hand nötig ist.“ Dadurch ist die körperliche Arbeit auf der Baustelle um einiges leichter geworden. Und er selber kann mehr Tätigkeiten ausführen. Die GPS-Vermessungstechnik misst in kürzester Zeit Höhen und Längen und kann den Bagger genau positionieren. „Früher mussten wir selber Hölzer kloppen, um die Flächen abzustecken. Dafür musste ein Vermesser kommen, der erst zwei oder drei Tage später da war. Den müssen wir heute nicht mehr anrufen.“

Es läuft

„Neben den Neuerungen sind die Aufgaben, die wir von unseren Auftraggebern bekommen, gleich geblieben. Wie beispielsweise hier, wo wir per Cut and Fill Erdmassen umgeschichtet haben. Das machen wir häufig.“ Aber der Ablauf des Arbeitstages hat sich eben im Vergleich zu früher beschleunigt, es wird viel mehr an einem Tag geschafft. Durch die Schnelligkeit realisiert der Polier auch eine höhere Zahl an Projekten in einem Jahr. „Das geht Holterdiepolter“. So ist auch die Zusammenarbeit mit LIST genau durchgeplant. „Das das das das und das muss gemacht werden – LIST gibt uns immer eine genaue To-do-Liste.“ Klingt anstrengend, aber genau so funktioniert das seit rund sechs Jahren, erinnert sich Klaus Steinweg.


Polier geworden, Polier geblieben

Am Bau muss man als Partner arbeiten, um die besten Lösungen zu finden. So geht er gemeinsam mit Bauleiter Davor Kragulj von LIST Bau Nordhorn noch einmal den Kanalplan und das Material durch. Und schon ist der Arbeitstag geschafft. Klaus Steinweg steht am Bauzaun und schaut auf das Gelände hinab. Aufgrund der unterschiedlichen Höhenniveaus, die unter anderem die Landschaft mit sich bringt, steht er etwas erhöht. Er betrachtet sein Tageswerk. Heute haben er und sein Team wieder viel erledigt. Er ist erstaunt darüber, wie schnell 20 Jahre als Polier vergehen können. Aber er ist sich sicher: „Ich bin als Polier gekommen und der bin ich auch geblieben – und so wird es auch weiterhin sein. Genau wie der Kern unserer Arbeit.“


Zur Person

Klaus Steinweg ist gelernter Schachtmeister und seit mehr als 20 Jahren bei QUAKERNACK tätig. Als Baustellenleiter ist seine Hauptaufgabe die Bauaufsicht.

Über QUAKERNACK

Die QUAKERNACK Straßen- und Tiefbau GmbH & Co. KG wurde 1907 in Bielefeld von Pflastermeister August Quakernack gegründet. Sein Schwiegersohn Ludwig Möllmann führte nach dem Tod des Firmengründers 1937 die Tradition und die Geschäftsbereiche des Unternehmens weiter. Heute ist QUAKERNACK unter der Leitung von Jan Möllmann überregional in den Bereichen Erd- und Abbrucharbeiten, Kanalbau, Straßenbau, Gleisbau und Spezialtiefbau tätig.

Über das Bauvorhaben

In Staufenberg-Lutterberg im Landkreis Göttingen entstehen im Auftrag des internationalen Projektentwicklers Goodman zwei Logistikhallen und ein 700 qm großes Verwaltungsgebäude. Im ersten Bauabschnitt wächst ein Neubau mit drei Units auf einer Fläche von 30.000 qm in die Höhe. Die zweite Logistikhalle besteht mit circa 18.000 qm aus zwei Units und einem zusätzlichen Zwischengeschoss von rund 2.600 qm.



Bauwerk
Ausgabe 03/2018

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