/  Sichtweisen

Künstliche Intelligenz aus der Cloud.
Ein digitaler Raum, viele Fragezeichen.

Können wir eines Tages unser Gehirn in eine Cloud laden und auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) ewig leben? Gibt es da einen digitalen Raum, in dem dank einer geschickten Verknüpfung von Cloud-Speicher und ausgetüftelter Algorithmen eine Parallelwelt entsteht?

Künstliche Intelligenz und Cloud Computing sind Dinge, mit denen wir uns – ob wir es wollen oder nicht – auf lange Sicht auseinandersetzen müssen.

Mit dem richtigen Maß und den passenden Einsatzgebieten bieten die Themen für die Wirtschaft ein großes Potenzial. Trotzdem bleiben auch die Bedenken und viele Fragen. Was darf künstliche Intelligenz und was nicht? Kann sie auch Einfluss auf strategische Entscheidungen nehmen? Wie können wir verhindern, dass sie die Oberhand im Unternehmen gewinnt, ohne zu vergessen, dass durch künstliche Intelligenz gestützte Entscheidungen durchaus auch positive Effekte auf ein Unternehmen haben können? Einen Blick in die Glaskugel kann niemand werfen. Wir können nicht sagen, wie wir künstliche Intelligenz zukünftig definieren und was sie leisten kann. Aber wir haben uns im Netz über den Status quo informiert. Gestoßen sind wir dabei auf einen spannenden Beitrag, in dem IFS Labs, das Innovationszentrum des Business-Software-Anbieters IFS, fünf gängige Mythen über künstliche Intelligenz beleuchtet und aus dem Weg räumt:


1. Mythos: 
Künstliche Intelligenz ist neu.

Die Idee, künstliche Intelligenz zu erschaffen, gibt es schon lange. Der US-amerikanische Informatik-Professor John McCarthy prägte den Begriff „Artifical Intelligence” bereits 1955 und erforschte an der Universität Stanford die Grundlagen der künstlichen 
Intelligenz. Seither gab es immer wieder neue Entwicklungen und Hypes um das Thema – auf die dann meist Ernüchterung folgte. Den aktuellen und voraussichtlich nachhaltigen Schub erhält die künstliche Intelligenz vor allem durch die inzwischen breit verfügbaren Daten (Big Data) sowie die massiv gestiegene und durch Cloud Computing hochskalierbare Rechenleistung.


2. Mythos: 
Künstliche Intelligenz denkt wie ein Mensch.

Künstliche Intelligenz wird häufig stark überhöht dargestellt und es wird suggeriert, sie könne selbstständig denken und Probleme lösen wie ein Mensch. Aber auch KI-Systeme machen nach wie vor nichts anderes, als das auszuführen, was ihnen Menschen zuvor durch Programmierung aufgetragen haben. Dabei sind sie mittlerweile aber soweit fortgeschritten, dass sie den Eindruck erwecken können, man habe es mit menschlicher Intelligenz zu tun – etwa, weil sie lernfähig sind. Außerdem erkennen sie Bilder, Sprache oder steuern Autos.


3. Mythos: 
Künstliche Intelligenz und Machine Learning sind dasselbe.

Künstliche Intelligenz ist der Überbegriff für alle Systeme und Technologien, die den Eindruck menschlicher Intelligenz erwecken. Machine Learning ist nur eine dieser Technologien. Bei ihr werden Algorithmen konstant mit neuen Daten gefüttert und so darauf trainiert, ihren Output immer weiter zu verbessern. Weitere Teildisziplinen der künstlichen Intelligenz wären etwa Deep Learning, Cognitive Processing oder Natural Language Processing.


4. Mythos: 
Künstliche Intelligenz wird uns allen die Jobs wegnehmen.

Bis jetzt haben technologische Revolutionen am Ende immer mehr Jobs geschaffen als zerstört. Dasselbe ist auch bei der künstlichen Intelligenz zu erwarten. Das gilt ganz besonders dann, wenn die Menschen unterstützt und ermutigt werden, die neuen Fähigkeiten zu erlernen, die sie brauchen, um Seite an Seite mit intelligenten Systemen zu arbeiten. Das wahrscheinlichste Szenario ist deshalb, dass Menschen und KI zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen werden.


5. Mythos: 
Künstliche Intelligenz wird irgendwann die Weltherrschaft an sich reißen.

Die Dystopie, dass intelligente Roboter eines Tages die Menschheit unterwerfen, beschäftigt die Science-Fiction bereits seit ihren Anfängen. Fritz Langs Film Metropolis aus dem Jahr 1927 lässt grüßen. Aber auch aktuell geistern derartige Horrorvisionen immer wieder durch die Medien. Was dabei komplett ignoriert wird: Selbst wenn Roboter irgendwann so etwas wie Moral oder einen Willen haben sollten, würden sie immer nur dem entsprechen, was Menschen zuvor programmiert haben. Eigene Motive werden Roboter nie entwickeln können.
 

Menschliches Gehirn vs. Künstliche Intelligenz

Wie es scheint, wird unsere Welt so schnell nicht untergehen. Wir müssen außerdem nicht damit rechnen, dass uns morgen ein zum Leben erweckter Geist begegnet. Aber wir sollten mit tiefgreifenden Veränderungen in unserer Arbeitswelt und unserem Leben rechnen. In Teilen erleben wir diese bereits. So ist es beispielsweise kein Zufall, dass dem jeweiligen User beim Online-Shopping die passenden Produkte und in einem News-Feed die für ihn spannenden Informationen angezeigt werden. Und auch eine aktuelle Huawei-Studie, die die Parallelen zwischen dem menschlichen Gehirn und künstlicher Intelligenz untersucht, stellt schon heute große Gemeinsamkeiten fest. Die Studie verdeutlicht, dass die befragten Deutschen über 99,76 Prozent ihrer täglichen, rund 35.000 Entscheidungen nicht bewusst, sondern im Hintergrund treffen. Und das – so die Studie – könne künstliche Intelligenz auch leisten. Und die Entwicklung wird weiter voranschreiten. Dafür gibt die neue McKinsey-Studie „Das digitale Wirtschaftswunder – Wunsch oder Wirklichkeit?“ der Wirtschaft folgende Ratschläge mit auf den Weg: 

• Festlegung einer klaren und weitreichenden digitalen Agenda von oben 
• Digitalisierung weiterer Stufen der Wertschöpfungskette 
• Suche und Skalierung von neuen Geschäftsfeldern
• Reinvestition von Einsparungen durch Digitalisierung in Zukunftstechnologien
• Einführung flacher und agiler Arbeitsstrukturen


Coming soon: Die Zukunft.

Die Tipps bleiben an der Oberfläche und geben uns keinen individuellen Weg vor. Aber sie leisten eines: Sie zeigen auf, wie groß der Einfluss sein wird, den Cloud Computing in Verbindung mit künstlicher Intelligenz auf unser Arbeitsleben nehmen wird. Es wird nicht nur darum gehen, ein paar Anpassungen in den Prozessen vorzunehmen. Wir sollten uns vielmehr darauf einlassen, dass dieser beschriebene und für uns noch fremde, digitale Raum mit unserer Welt verschmelzen wird. Wenn man dabei nun die Angst und den Pessimismus beiseitelegt und sich auf das Potenzial und die Weiterentwicklungsmöglichkeiten konzentriert, klingt das doch eigentlich ganz gut, oder?

 

Bild: Fotolia: Jakob Jirsak


Bauwerk
Aus der Ausgabe 02/2018