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#KLARTEXT 2.0 – Corona-Update: Wo stehen unsere Hotelpartner jetzt?

Hotel ist nicht gleich Hotel – die Krisenresistenz variiert sehr stark. Also haben wir bei unseren Hotelpartnern aus den Segmenten Budget-Hotellerie und Longstay nachgefragt: Wie geht es euch? Das erste Mal bereits im April und ein zweites Mal jetzt ganz aktuell. Und wir haben exklusive Einblicke erhalten. Das Bild, das sich abzeichnet, ist positiv. Die Auswirkungen sind händelbar, die Geschäfte nehmen wieder an Fahrt auf und das Thema Expansion ist gar nicht erst von der Agenda verschwunden. Aber lesen Sie selbst.

Übersicht – unsere Gesprächspartner.


B&B HOTELS GmbH

B&B HOTELS ist einer der Vorreiter der modernen Budget-Hotellerie. Mit einer Kombination aus Dienstleistungen, Komfort und Design zu einem attraktiven Preis bietet die Hotelkette ein Angebot für Geschäfts- und Freizeitreisende. In Deutschland ist B&B HOTELS Marktführer mit mehr als 130 Hotels und betreibt weltweit über 500 Hotels. Die Wachstumsstrategie sieht vor, jedes Jahr rund 15 weitere B&B Hotels zu eröffnen.
 

Unser Ansprechpartner

Max C. Luscher
CEO Central & Nothern Europe bei der B&B HOTELS GmbH
 


Stayery.

STAYERY ist ein noch junges Unternehmen, das insbesondere jungen Berufstätigen Serviced Apartments mit dem Komfort einer Wohnung und dem Service eines Hotels bietet. Die Projektenwicklungen konzentrieren sich auf Städte, in denen bedeutende Unternehmenscluster angesiedelt oder unterentwickelte Hotelmärkte vorzufinden sind. Zudem liegt der Fokus auf Städten mit Universitäten. Das erste STAYERY-Haus hat im Januar 2019 in Berlin eröffnet. Ein zweites Haus ist in Bielefeld im Betrieb. Weitere Apartmenthäuser entstehen aktuell.
 

Unser Ansprechpartner

Hannibal DuMont Schütte
Geschäftsführer bei Stayery.

 


Whitbread

Whitbread ist der führende Hotelbetreiber in Großbritannien und wurde 1742 gegründet. Zu dem Konzern zählen neben der landesweit beliebten Hotelmarke Premier Inn auch mehrere Restaurantketten. Neben den 800 Hotels mit 76.000 Zimmern im Vereinigten Königreich betreibt Whitbread auch Häuser der Marke Premier Inn im Nahen Osten und expandiert seit 2016 in Deutschland.

Unser Ansprechpartner

Dr. Michael Hartung
Managing Director bei Premier Inn Investments

 


Frage 1

Der Lockdown ließ die Gästezahlen in Hotels einbrechen. Aber wie steht es wirklich um die Auslastung Ihrer Häuser – konnten Sie schon wieder Zuwächse verzeichnen?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Wir rechnen im Juni mit rund 25 bis 30 Prozent Auslastung. Alle Hotels (bis auf ein Hotel mit laufenden Renovierungen) sind eröffnet. Verlässliche Prognosen für Juli sind derzeit kaum möglich, wir rechnen aber mit steigenden Umsätzen. 

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • sehr geringe Auslastung  
  • in Erwartung eines Anstiegs im Mai

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
Im April und auch noch in der ersten Mai-Hälfte war unsere Auslastung sehr gering. Wir haben uns im Schnitt zwischen 25 und 40 Prozent eingependelt. Das liegt aufgrund der längerfristigen Gäste zwar immer noch über dem klassischen Hotel-Niveau, aber neue Buchungen kamen leider kaum rein. Ende Mai haben wir die ersten Veränderungen gespürt. Der ‚Turning Point‘ für uns war Pfingsten. Seitdem kommen auch neue Buchungen rein. Wir schielen jetzt auf eine Auslastung von 50 Prozent. Das ist natürlich kein Traumergebnis, aber wir befinden uns auf einem guten Weg.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • noch eine Auslastung von rund 70 Prozent durch Longstayer
  • Stornierungsquote bei kurzfristigen Buchungen aber hoch

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Die Tendenz geht nach oben und die Auslastungszahlen für unsere Hotels nehmen langsam zu – vor allem in Top-Destinationen wie Hamburg.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • alle Hotels vorübergehend geschlossen
  • nur Instandhaltung des Gebäudes findet statt

Frage 2

An Kurzarbeit kam vermutlich kein Hotelbetreiber vorbei. Aber wie hat sich das entwickelt – können Ihre Teams die Arbeit teilweise schon wieder aufnehmen?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Wir planen die Kurzarbeit im Head Office auf ein Minimum zurückzufahren, da eben auch viel Arbeit ansteht. In den Hotels wird uns Kurzarbeit noch lange begleiten. 

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Großteil in Kurzarbeit

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery. In unseren Häusern befinden sich die Mitarbeiter weiterhin in Kurzarbeit. Das Volumen reicht dort noch nicht für eine Vollbeschäftigung. Im Head Office ist Kurzarbeit kein Thema. Wir konnten die ‚Ruhe‘ gut nutzen – für Optimierungen des Bestehenden und auch für neue Entwicklungen. 

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  •   alle teilweise in Kurzarbeit, da Longstayer wenig betreuungsintensiv

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Die Gästezahlen ziehen wieder an. In einigen Hotels können wir die Teams nach und nach aus der Kurzarbeit zurückholen.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • teilweise in Kurzarbeit
  • Aufstockung des Kurzarbeitergeldes oder Erschwerniszulage

Frage 3

Wie ist es um Ihre wirtschaftliche Lage bestellt?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Bislang lief die Krise gemäß unserer internen Prognosen ab. Leider griffen die Staatshilfen im Sinne der verlorenen Zuschüsse bei uns nicht. Dennoch sind wir überzeugt, dass die nun anstehende Marktkonsolidierung B&B zu einem Gewinner der Krise machen wird. Wir haben den Hotelmarkt in den letzten Monaten vor und auch während Corona stets signifikant outperformt (um rund 10 Punkte RevPAR). 

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Einnahmen sind negativ beeinflusst
  • schlanke Kostenstruktur in Kombination mit geringer Auslastung ermöglichen trotzdem Profit
  • gute Ergebnisse für Januar und Februar

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
April und Mai konnten wir kein positives Ergebnis erwirtschaften, das ist kein Geheimnis. Dieses Bild wird sich auch durch den Juni ziehen. Aber wir hatten das Glück, dass wir auf die Fördermaßnahmen vom Bund zurückgreifen konnten. Jetzt warten wir ab, was am Ende für das dritte Quartal unterm Strich steht. Die Häuser als solches werden es vielleicht schon kurzfristig aus dem roten Bereich schaffen. Nimmt man die Kosten, die im Head Office entstehen, hinzu, gehen wir davon aus, dass sich unsere wirtschaftliche Lage in Q4 wieder erholt.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Umsatzeinbußen noch gering und Monatsergebnis noch positiv
  • für Mai und Juni wird eine geringere Auslastung und ein negatives Ergebnis erwartet 
  • Liquiditätspolster vorhanden
  • klares Bekenntnis der Gesellschafter

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Wir setzen auf zwei Faktoren: die eingeleiteten Kostensenkungen und eine Kapitalerhöhung durch unseren Mutterkonzern Whitbread in Höhe von 1 Mrd. GBP (ca. 1,1 Mrd. EUR) für die weitere Expansion.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • umfassendes Kostensenkungsprogramm aufgelegt, das das Ausmaß der Krise reduziert 

Frage 4

Corona zum Trotz expandieren unsere Partner weiter. Übernahmen werden dabei zur neuen Option. Wie ist da bei Ihnen der Stand der Dinge?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Wir haben in den vergangenen Wochen vier neue Mietverträge unterzeichnet, es soll auch so weitergehen. Wir sind offen für Übernahmen, noch ist aber nicht viel am Markt verfügbar. 

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • neue Mietverträge werden weiterhin abgeschlossen
  • die Entwicklung neuer Standorte läuft weiter
  • Aktivitäten im M&A-Bereich sind in Planung

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
Projektentwicklungen, die bereits liefen, haben wir durchgezogen. Ein Projekt in Gladbach haben wir unterschrieben. Ein zweiter konkreter Standort steht kurz vor der Unterschrift. Was neue Expansionen angeht, nimmt der Markt langsam wieder ein bisschen an Fahrt auf. Wir haben die ersten Angebote für neue Entwicklungen auf den Tisch bekommen. Nur rund um den M&A-Bereich spüren wir noch keine Veränderung.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Projektentwicklungen werden weiter fortgeführt
  • Projektentwickler und Makler zeigen sich zurückhaltend
  • Expansion ist weiterhin geplant
  • M&A-Aktivitäten werden in Erwägung gezogen

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Der Markt ist in Bewegung. M&As sind für uns – neben Erwerb oder Pacht von Grundstücken bzw. Immobilien – eine von mehreren Optionen, die Expansion voranzutreiben.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • weiterhin Wachstumskurs
  • Eröffnungen finden wie geplant statt
  • Bauarbeiten stehen nicht still

Frage 5

Die Krise annehmen und meistern ist die Devise unserer Partner. Aber wie genau funktioniert das und wie überstehen Sie die Krise?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Wir gehen Schritt für Schritt weiter und können uns auf unsere Partner verlassen. Insbesondere unser homogenes Netzwerk an Standorten zeigt sich als wesentlicher, positiver Faktor in der Krise.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Konzentration auf verfügbare Gästegruppen
  • Kosteneinsparungen
  • vorerst Einstellung aller Renovierungsarbeiten
  • rund 80 Prozent in Kurzarbeit
  • Planung der Wiederaufnahme des Geschäfts im Mai

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
Unsere Haltung ist über die letzten Monate hinweg die gleiche geblieben. Denn wir spüren aktuell mehr denn je, dass Hotel nicht gleich Hotel ist. Wir haben kein Frühstück oder auch kein Wellness – das heißt, dass wir diese Prozesse nicht auf die aktuelle Situation anpassen müssen. Außerdem ist bei uns schon vieles bereits digitalisiert, das ist natürlich sowohl aus Kosten- als auch Hygieneperspektive gerade ebenfalls von Vorteil. Vielleicht spielt uns zudem die Küchenzeile, die sich in jedem unserer Apartments befindet, fortan in die Karten, da sie unseren Gästen viel Flexibilität erlaubt.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Longstay-Modell ist krisenresistent
  • effiziente Kostenstruktur mit geringen Fixkosten
  • Gespräche mit Vermietern über Mietkosten

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Wir setzen auf Stabilität. Trotz kurzzeitiger Hotelschließungen haben wir die volle Miete gezahlt (in Deutschland wie in Großbritannien). In Deutschland haben wir sogar einen weiteren Mietvertrag unterzeichnet.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • starker Mutterkonzern
  • großes Interesse und Bekenntnis für den deutschen Hotelmarkt

Frage 6

Die Krise verändert den Hotelmarkt – verschiedene Vermutungen stehen im Raum. Aber trifft davon bereits etwas zu?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Wir erwarten eine Konsolidierung. Die Verlierer werden Vollhotels der höheren Kategorien und schlecht kapitalisierte Betreiber sein. Diese Entwicklung braucht aber noch Zeit.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Inlandsreiseverkehr wird sich am schnellsten erholen, zum Vorteil für B&B
  • Privathotels werden aus dem Markt ausscheiden
  • weitere Marktbereinigung
  • Möglichkeiten für M&A entstehen

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine Konsolidierung geben wird. Aber das passiert nicht von heute auf morgen. Noch ist es sehr ruhig am Markt.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Marktbereinigung war schon vor Corona gestartet und wird jetzt verschärft
  • Nur, wer gut aufgestellt ist, überlebt
  • jungen Marken fehlt es womöglich das nötige Liquiditätspolster

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Die Bedeutung einer soliden finanziellen Basis steigt und der Verdrängungswettbewerb beschleunigt sich aktuell.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • keine Angabe

Frage 7

Auch bei Geschäftsreisenden und Touristen gibt es Erwartungen – und zwar unterschiedliche. Bewahrheiten sich diese bereits?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
National Corporate ist wie zu erwarten am stärksten, eher kleine Unternehmen statt großer Corporates. International leisure ist nach wie vor schwach und wird sich erst mit steigenden Flugbewegungen bessern.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • inländische Geschäftsreisen nehmen am schnellsten wieder zu
  • das internationale Messe- und Konferenz-Business erholt sich am langsamsten 
  • zudem wird der Einreise-Tourismus Gewinner der Krise sein

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
So wie es alle erwartet haben, zieht der Inlandsreise-Tourismus gerade als erstes an. Und auch die ersten Geschäftsreisegäste beherbergen wir schon wieder. Denn wenn beispielsweise eine monatliche Wartung von Maschinen stattfinden muss, dann schicken die Firmen ihre Leute dafür auch wieder raus. Internationale Gäste beherbergen wir hingegen noch nicht wieder in unseren Häusern. Dafür bedarf es etwas mehr Geduld. Und in Summe bin ich nach wie vor davon überzeugt: Das Reisen wird sich verändern, aber weiterhin ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Lebens sein.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • Geschäftsreise-Tourismus wird wieder auf ein gesundes Maß zurückgefahren
  • das geringere Volumen passt aber zu konsolidiertem Angebot

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Der Leisure-Markt zieht langsam an – und zwar mit kurzfristigen Buchungen. Der Business-Bereich liegt hingegen noch weitgehend brach.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • keine Angabe

Frage 8

Die Krise bringt Herausforderungen wie auch Chancen mit sich. Haben Sie erste davon bereits gemeistert beziehungsweise genutzt?


Max C. Luscher, B&B HOTELS GmbH
Wir liegen voll auf Plan. Heißt: Wir haben das Cash-Management im Griff und haben ein Auge auf Möglichkeiten im M&A-Bereich.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • die größte Herausforderung ist das Cash-Management
  • Chancen bestehen im Bereich M&A

 

Hannibal DuMont Schütte, Stayery.
Vor zwei Monaten war die Sicherstellung der Liquidität unsere oberste Priorität. Aber das haben wir im Griff und irgendwann kann oder will man einfach nicht noch mehr sparen. Jetzt ist es wichtig, dass wir unser Geschäft zum passenden Zeitpunkt wieder hochfahren. Wir dürfen weder zu früh, noch zu spät dran sein. Außerdem haben wir eine weitere Herausforderung auf dem Tisch, die wir mit Ehrgeiz angehen und als Chance verstehen. Wir müssen unsere Produkte jetzt angepasst auf die aktuelle Situation attraktiv und vor allem besser als die Konkurrenz positionieren. Was sind unsere USPs – das müssen wir herausstellen. Das Gesamtvolumen potenzieller Gäste ist aktuell geringer, als wir es gewohnt sind, da wollen wir unbedingt ein möglichst großes Stück vom Kuchen abhaben. Und was das Potenzial der Übernahmen angeht: Das haben wir schon an einer Stelle ausgeschöpft, aber anders als gedacht. Und zwar in Sachen Personal. Erste neue, motivierte Kolleginnen bzw. Kollegen haben wir schon eingestellt. Weitere Gespräche finden statt.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • die Sicherung der Liquidität ist eine Herausforderung
  • man sollte unbedingt einen kühlen Kopf bewahren
  • Übernahmen bieten viel Potenzial

 

Dr. Michael Hartung, Premier Inn Investments
Ja, wir haben eine Herausforderung bereits erfolgreich gemeistert. Wir haben unsere Liquidität durch Kapitalmarktbeschaffung von einer Milliarde Pfund Sterling seitens Whitbread sichergestellt. Zudem beschäftigen wir uns mit der Chance, branchenweite neue Hygiene- und Sicherheitsstandards zu etablieren.

Im Vergleich dazu:
So war die Lage im April.

  • die große Herausforderung ist die Sicherstellung der Liquidität

Titel und Teaser: AntonioDiaz - stock.adobe.com