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Mitten in der Energiewende – ein Blick auf nachhaltige Alternativen für Gewerbeimmobilien.

Heute noch Hotspot für den Braunkohle-Abbau und bald schon das deutsche Silicon Valley – zumindest wenn es nach einigen Stimmen in den Medien geht. Das Rheinische Revier erlebt einen enormen Strukturwandel, der unter anderem mithilfe von Fördermitteln gemeistert werden soll. Auch Immobilien-Vorhaben in der Region können profitieren. Ein Beispiel für die zunehmende Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit. Aber was macht in welchem Fall wirklich Sinn? Thomas Albrecht, Teamleiter für die technische Gebäudeplanung bei unserem Unternehmen intecplan, taucht mit uns in die Welt regenerativer Energien ein.

Für unsere Planer ist die Energiewende ein Thema, dass sie schon seit vielen Jahren begleitet. Es geht immer darum, die individuell am besten passende Kombination aller Anlagen zur Erzeugung und Nutzung regenerativer Energie zu definieren. Und rechnen muss sich das Ganze dabei natürlich auch. Der Return on Investment muss mit dem Lebenszyklus der jeweiligen Immobilie kompatibel sein. In unseren Planungen heißt das, dass sich erhöhte Kosten für die Anschaffung auch auszahlen müssen. Aber welche Möglichkeiten stehen Unternehmen eigentlich zu Verfügung, die ihren CO2-Fußabdruck verbessern und gleichzeitig von den Fördermitteln im Rheinischen Revier profitieren wollen? Umfänglich und pauschal kann das in diesem Rahmen nicht beantwortet werden, aber Thomas Albrecht geht auf drei spannende Lösungen ein, die eine gute Ergänzung im bekannten Mix aus Photovoltaik, solarthermischen Anlagen und Co. darstellen. 


Geothermie gibt es in verschiedenen Varianten.


„Ein großes Thema, das uns allen wohl schon begegnet ist, ist die Geothermie. Aber Geothermie ist eben nicht gleich Geothermie. Klassischerweise werden Bohrungen durchgeführt und Sonden in das Erdreich gebracht. Aber wussten Sie zum Beispiel, dass Wärme und Kälte einer solchen Anlage auch aus dem Grundwasser gewonnen werden können? Das geht längst nicht auf jedem Grundstück und man kann auch erst wirklich vor Ort entscheiden, ob etwas möglich ist. Aber passen die Rahmenbedingungen, kann man so ein System planen und in Betrieb nehmen, das hocheffizient ist. Denn im Gegensatz zu den Bohrungen muss die Wärme oder Kälte aus dem Boden nicht erst noch an einen Träger weitergegeben werden. Man kann also einen Kreislauf einsparen. Außerdem ist Geothermie in die Richtung variabel einsetzbar, dass man sie in kleinem wie auch in großem Maßstab einsetzen kann. Manchmal gibt der Boden zwar nur geringe Temperaturunterschiede an das Trägermedium Wasser weiter und verfügt damit lediglich über ein geringes Potenzial. Aber selbst in diesem Fall kann man eine Anlage einplanen, die dann zumindest die Rückkühlung der Kältemaschinen übernimmt. Auch das lässt sich wirtschaftlich darstellen. Wichtig bei alledem ist, dass man das volle Potenzial von Geothermie nur dann nutzen kann, wenn sie in einen passenden Anlagenmix eingebunden ist. Beispielsweise Kühl- und Heizsegel sind eine gute Ergänzung. Das Flächensystem kann schon mit kleinen Temperaturunterschieden viel ausrichten. 


Energiespeicher und ihre Vorteile.


Ein zweites Thema, das man bei der Planung von Gewerbeimmobilien unbedingt berücksichtigen sollte, sind Energiespeicher. Photovoltaik-Zellen, die auf dem Dach Strom erzeugen, sind schon etabliert. Das Problem ist aber häufig, dass zu dem Zeitpunkt der Stromerzeugung nicht auch die entsprechende Menge verbraucht wird. Deshalb sollte die Solaranlage um einen Batteriespeicher ergänzt werden. So können die Verbraucher – zum Beispiel beim Laden von E-Autos – auch in der Nacht aus den Speichern versorgt werden. Aber nicht allein die Vorratshaltung ist ein Argument für die Energiespeicher. In größeren Leistungsdimensionen können die Energiespeicher auch zur Spitzenlastreduzierung eingesetzt werden. Weiter kann durch Kooperation mit den Energieversorgern auch eine Zwischenspeicherung der Energie in Schwachlastzeiten erfolgen, um sie dann bei hoher Nachfrage wieder ins Netz zu speisen. Vereinfacht gesagt würde dann Folgendes passieren: Verbraucht die Nachbarschaft zu wenig Strom, können Sie die überschüssige Energie in Ihre Batterien aufnehmen. Bei Strom-Knappheit können Sie wiederum aushelfen. Damit stellen Sie dem Stromnetzbetreiber Flexibilität bereit und das lässt dieser sich etwas kosten. So kann der Anlagenmix auch zur Netzstabilisierung von Netzbetreibern genutzt werden. Denn diese müssen ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage sicherstellen.
 


Automation ja, aber bedarfsgerecht.


Zum Abschluss möchte ich unbedingt noch auf die Bedeutung von Gebäudeautomation sowie intelligent gelöster Steuerungen und Regelungen eingehen. Eines dazu vorab: Bei allen Möglichkeiten, die eine Gebäudeautomation bietet, sollte man den Nutzern der Gebäude die Chance geben, Einfluss auf ihre Lebens- oder Arbeitsumgebung zu nehmen. Aber im Hintergrund sollten die Systeme sehr bewusst gesteuert und geregelt werden – es geht immer darum, bedarfsgerecht zu sein. Das fängt dabei an, dass das Licht automatisch ausgeht, wenn jemand den Raum verlässt. Die Sensoren haben sich weiterentwickelt und funktionieren gut. Außerdem können wir die Heizung und Kühlung vorausschauend anhand der prognostizierten Wetterdaten regeln. Die Anlagen benötigen eine Vorlaufzeit, also macht es Sinn, sie rechtzeitig darauf vorzubereiten, wenn in der nächsten Woche zum Beispiel ein Temperatursturz zu erwarten ist. Das Netzwerk an Messstationen bei uns in Deutschland gibt das mittlerweile her."
 


Teaser und Titel:  @Milton Oswald - stock.adobe.com