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Backstein, Teil 02 | Der Verwender –Architekt Frank Buken über Klinker-Kunst

Klinker sind langweilig und altbacken – aber nur, wenn man unkreativ damit umgeht? Eine andere Meinung zu den aufregenden Steinen hat Frank Buken, Geschäftsführer von prasch buken partner architekten bda aus Hamburg, im Interview gezeigt.

Herr Buken, Sie arbeiten viel mit Backsteinfassaden. Welchen Stellenwert hat der Baustoff für Sie?

F.B.: „Backsteine sind ein historischer und allseits bekannter Baustoff, der Geschichten erzählt. Er ist etwas ganz Besonderes, denn er hat das Gesicht unserer Städte geprägt. Insbesondere in Norddeutschland und in Hamburg, wo wir zuhause sind. Das Gesicht der Stadt trägt die Farbe Rot des lokalen Rohstoffes. Backsteine sind nicht nur optisch höchst ansprechend, sondern auch beständig und qualitativ unübertroffen. Er ist die „Urform“ des Bauens: Stein auf Stein auf Stein. Zudem altert er in Würde, da er, egal wie viele Jahre er steht, an Qualität nicht verliert.“

Und „in Würde altern“ heißt dann so viel wie Patina ansetzen?

F.B.: „Ja, auch. Die Schönheit von Patina liegt natürlich im Auge des Betrachters – aber für mich hat Patina ausschließlich positive Auswirkungen. Man erkennt an der Materialalterung, wo der Stein verbaut ist und welchen Witterungseinflüssen er ausgesetzt ist oder war. Der gleiche Stein wird an zwei verschiedenen Orten nach einigen Jahren niemals gleich aussehen. Eine Fassade wird einzigartiger durch die Bildung von Patina. Und das wiederum macht sie schön. Bereits beim Planen wählen wir gerne Backsteine mit rauer Oberfläche aus, da sie lebendiger sind als glatte.“

Wirkt der Stein denn ganz alleine für sich?

F.B.: „Es gibt bei der Auswahl von Backsteinen heute unbegrenzte Möglichkeiten: Mit den vielen unterschiedlichen Oberflächen, Nuancen und Bränden hat man die Qual der Wahl. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Hinzu kommen die Anordnung und Gestaltung der einzelnen Steine, bei der man als Architekt eine persönliche Note einbringen kann: Man kann sie vorspringen lassen, versetzen, den Verband wechseln, ein Relief hervorstehen lassen, ein Mosaik erstellen oder mit Blech kombinieren. Ebenso tragen das Fugenmaß und die Fugenfarbe erheblich zum Erscheinungsbild bei. Aus meiner Sicht ist das alles aber gar nicht immer notwendig. Der Stein wirkt für sich. Eine schlichte Lochfassade ist alleine durch den Stein lebendig. Und das ist auch nur mit dieser Art von Stein möglich – er gestaltet sich selbst.“


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Haben Sie den Baustoff nicht irgendwann einmal satt? Gefühlt hat sich in den letzten Jahrzehnten außer vielleicht der Farbgebung nichts verändert.

F.B.: „Nein, wie gesagt, der Variationsreichtum ist unerschöpflich. Schaut man sich ein Gebäude an, erkennt man Unterschiede in der Farbgestaltung und der Anordnung der Steine. Aber es steckt noch mehr dahinter: Früher wurden Wände als tragender Bestandteil komplett aus Backsteinen gebaut. Heute wird er kaum noch in dieser Form genutzt, sondern lediglich als Außenschale bei einer zweischaligen Wand. Gebaut werden die tragenden Wände mit Porenbetonsteinen oder Stahlbeton, dann kommt ein Dämmstoff und dann der Backstein. Der historische Eindruck des Bauens bleibt aber mit der Backsteinfassade erhalten.“

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsgebäude aus Backstein?

F.B.: „Ich mag die Speicherstadt von Hamburg als Gesamtensemble sehr gerne. Müsste ich ein einzelnes Gebäude nennen, wäre es wohl das Chilehaus in Hamburg von Fritz Höger, das 2015 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Es ist ein gebautes Backsteinmanifest. Als moderne, zeitgenössische Interpretation würde ich das Diözesanmuseum Kolumba in Köln von Peter Zumthor anführen.“

Was meinen Sie, wann geht uns Menschen die Lust am Backstein aus?

F.B.: „Backsteine sind zeitlos. Die vielen Jahrhunderte alten Bauwerke mit Backsteinfassaden beweisen das. Was lange steht, ist schön. Deshalb hoffe ich oder bin mir sogar sicher, dass es sie immer geben wird. Allerdings habe ich auch manchmal Angst, dass aufgrund des Mantras ‚kostengünstiges Bauen‘ die Baubranche – wegen der anfänglichen höheren Kosten des Backsteins – eher geneigt ist, eine Putzfassade zu wählen. Dabei geht ein Stück weit Individualität verloren. Backsteine sind teurer, aber eine lohnenswerte Investition in die Zukunft – kein anderer Baustoff kann mit der Langlebigkeit und den tollen Eigenschaften mithalten. Über eins bin ich mir sicher: Uns wird die Lust, mit Backsteinen zu gestalten und zu bauen, nicht so schnell vergehen.“


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Zur Person

Der Diplom-Ingenieur für Architektur Frank Buken hat 2015 die prasch buken partner architekten partG mbB in Partnerschaft mit Alf M. Prasch in Hamburg gegründet. Das heute 40-köpfige Team plant und baut Projekte in den Bereichen Städtebau, Wohnungs- und Hotelbau, sowie Geschäfts- und Gewerbeimmobilien. Gemeinsam mit LIST Develop Commercial realisieren die Architekten aktuell drei Projekte: das Geschäftshaus in Aachen, die Neutor Arkaden in Emden und das Ensemble aus Hotels und Büro in Rostock. Zu den ebenfalls in Planung und Bau befindlichen Projekten der prasch buken partner architekten zählen darüber hinaus beispielsweise das nui Hotel in Mannheim und das Airbus Dienstleistungszentrum in Hamburg.



Fotos: Fotolia: JFL Photography, powell83, prasch buken partner architekten partG mbB



Bauwerk
Ausgabe 02/2019